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Hintergrund-Infos

Ich gehe hier auf die Umbruchphase ein, in der es in den deutschsprachigen Ländern 5 Jahre lang ungeklärt war, ob und wie die CNVC-Zertifizierung (weiterhin mit “Z” abgekürzt) erfolgen kann.

Aus Perspektive des CNVC in den USA waren Deutschland, Österreich und die Schweiz nur drei Länder neben vielen anderen, in denen sie die GFK voran bringen wollten. Zudem hatte das CNVC interne Probleme (sowohl organisatorisch als auch personell). Das führte dazu, dass Marshall, der sich eigentlich anderen Schwerpunkten widmen wollte, wieder in die CNVC-Verantwortung zurück kehrte. Eine der offenen Fragen war: Wie wird sich das CNVC finanzieren, wenn der Hauptsponsor Marshall nicht mehr aktiv ist? - Aufgrund der vielen Länder, der internen Probleme und der vielen offenen Fragen kann ich verstehen, dass das Anliegen der deutschsprachigen Länder bzgl. der Z-Klärung nachrangig behandelt wurde. Denn dort gab es ja schon kräftig wachsende GFK-Bäume, während die GFK-Samen in manchen anderen Ländern noch achtsamer Pflege bedurften.

Dass Isolde nach einigen Jahren am Ende ihrer Geduld war ist nur zu verständlich. Denn sie hatte ja viele Z-KandidatInnen zu (ver)trösten und wollte ihrer Verantwortung gerecht werden. Mit wenigen bewährten GFK-TrainerInnen machte sie dann den Versuch, eine Europäische Zertifizierung auf den Weg zu bringen. - Mir gefiel diese Idee auch, denn das CNVC war ja offensichtlich überfordert. - Leider wurden Isolde & Co. vom CNVC (tw. gar nicht “gewaltfrei”) zurück gepfiffen, was deutlich machte, dass die Nerven auf beiden Seiten ziemlich blank lagen.

Ich habe auch Verständnis für die damals bereits zertifizierten TrainerInnen. Denn ihr Geschäftsmodell stand auf der Kippe. - Dazu muss mensch wissen, dass eine der Z-Bedingungen ist, dass Z-KandidatInnen ausschließlich Seminare von Z-TrainerInnen angerechnet bekommen. - Da über mehrere Jahre weder Klarheit noch (Planungs-)Sicherheit bestand, ist nachvollziehbar, dass dann mit der Zeit auch existenzielle Sorgen auftauchten. Denn viele Z-KandidatInnen gaben das Z-Ziel frustriert auf. Manche kehrten der GFK sogar ganz den Rücken.

In Süddeutschland taten sich dann sieben GFK-TrainerInnen zusammen, um “Verantwortung zu übernehmen” und den unhaltbaren Z-Zustand zu beenden. Sie gründeten einen Verein (genannt “Fachverband”), der eine andere Zertifizierung anbot. Dass sie es versuchten, kann ich verstehen - wie sie dabei vorgingen weniger.

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Dazu zitiere ich eine GFK-Trainerin aus Süddeutschland, die näher am Geschehen dran war, aber hier anonym bleiben will:  “Wer hätte denn geahnt, dass einige seit langem vertraute Trainerinnen und Trainer, die an unserem Treffen in die Unzufriedenheit mit dem NVC-Center einstimmten an einem anderen Treffen heimlich, still und leise an ihrem Verein und Zertifizierungs-Konzept arbeiten würden? Als diese wölfische U-Boot-Strategie bekannt wurde, war ich erst sowas von wütend und später unendlich traurig, weil ich es, wie viele andere auch, als schweren Vertrauensbruch erlebt habe. Aus meiner Sicht haben sie sich damit unglaubwürdig gemacht. Und noch schlimmer: Sie haben sich damit doch selbst disqualifiziert, andere in GFK zertifizieren zu können! Ich finde das schlicht anmaßend. Ich vermute, dass sie sich durch ihre lange Heimlichtuerei einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen wollten. Denn wer zertifiziert und keine Konkurrenz hat, der hat doch eine Lizenz zum Gelddrucken, oder?” (Zitat Ende)

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Aber es kam anders: Das CNVC hatte das neue Z-Konzept fertig, bevor der Verein richtig gestartet war. Marshall und das CNVC haben diese natürlich nicht (!) anerkannt. Diese Vereinsmeier hatten sich also mit ihrer Wolfs-Strategie selbst ins Abseits manövriert, sind nicht vertrauenswürdig und leider auch nicht empfehlenswert.

Eine Reaktion auf o.g. Verein war die Gründung einer GFK-Genossenschaft. - Nun aber genug von diesem Thema, da es mir wichtiger ist, bald zum nächsten Punkt zu kommen.

Allgemein war es eine schwierige Umbruchphase, wo viele an ihre Grenzen kamen und das CNVC viel Vertrauen verloren hat. - Wenn das CNVC bereit wäre, mehr Kompetenzen an andere Länder bzw. Kontinente abzugeben, wo schon große GFK-Bäume gewachsen sind, dann könnte es auch wieder etwas Vertrauen zurück gewinnen.

Grundsätzlich bin ich für “leben und leben lassen”. Ich freue mich über jede Person oder Gruppe, die einen sinnvollen und lebensdienlichen Beitrag dazu leistet, GFK im Sinne von Marshall Rosenberg zu verbreiten. Denn Deutschland hat GFK auf vielen Ebenen dringend nötig. Marshall hatte seine GFK überzeugend vorgelebt. Dazu gehörte auch seine Haltung zu Geld: Mensch kann auch mit wenig Geld ein zufriedenes und erfülltes Leben führen. Und er hat sich primär gemeinnützig engagiert (statt eigennützig), indem er zum großen Teil das CNVC finanzierte etc.

Daher sehe ich eher “neoliberale” GFK-TrainerInnen kritisch, denen es primär darum geht, möglichst schnell ihre Marktanteile zu vergrößern, möglichst viel Geld zu machen und primär eigennützig (statt gemeinnützig) handeln. Ob “zertifiziert” oder nicht: Das hat mit einer gelebten GFK-Haltung nichts zu tun und ist auch nicht im Sinne von Marshall.

Dazu habe ich zwei passende Zitate gefunden:

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Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller,

aber zu klein für die Gier einzelner.

(Mahatma Gandhi)

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Die Welt braucht nicht noch mehr “erfolgreiche” Leute.

Was der Planet unbedingt braucht, sind mehr Menschen

die Frieden stiften, heilen, ausgleichen, Geschichten erzählen

und Liebende aller Art.

(Dalai Lama)

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